Philosophisches Essay Aufbau

»Bis wann muss ich meinen Essay abgeben?«

Bitte geben Sie Ihren Essay frühestens zum Ende der Vorlesungszeit und spätestens am Ende des laufenden Semesters ab, d.i. am 31. März oder 30. September. Ausnahmen sind nach Absprache möglich. Sie sollten erst anfangen, Ihren Essays zu schreiben, nachdem Sie das ganze Seminar besucht haben. So können Sie sicherstellen, dass Sie einen guten Überblick über das behandelte Thema haben. Wenn Sie Ihren Essays schon vor Ende der Vorlesungszeit verfassen, kann es leicht passieren, dass Sie auf Fragestellungen oder Probleme stoßen, die erst später im Verlauf der Veranstaltung behandelt werden. Mit dem Beginn des nächsten Semesters werden neue Themen Ihre Zeit und Konzentration beanspruchen. Darum ist es sinnvoll, die vorlesungsfreie Zeit am Ende des Semesters zur Erstellung schriftlicher Arbeiten zu nutzen.

»Wie lang muss mein Essay- sein?«

Die jeweiligen Umfänge der schriftlichen Leistungen finden Sie in den Modulbeschreibungen auf Stud.IP.

Diese Angaben verstehe ich als Richtwerte, von denen Sie abweichen können, wenn Ihr Schreibstil oder das von Ihnen gewählte Thema es geboten erscheinen lassen. Außer in den Basismodulen müssen Sie nicht in jedem Seminar des Moduls eine Seminararbeit abgeben, sondern nur in dem Seminar, in dem Sie die Modulabschlussprüfung machen. In den anderen Seminaren des Moduls lassen Sie sich lediglich die Teilnahme durch die Dozentin oder den Dozenten bestätigen. Sollte von Ihnen für diese »aktive Teilnahme« eine schriftliche Arbeit oder ein Referat verlangt werden, wenden Sie sich an Ihre Fachschaft oder den AStA.

Deckblatt, Fußnoten, Literaturliste, Zeilenabstände et cetera

Das Layout Ihres Essays können Sie selbst gestalten, so lange Sie Folgendes beachten:
Vorne muss zu finden sein: Name, E-Mail-Adresse (!!!), Seminartitel, Modul. Die Fußnoten/Literaturnachweise müssen vor allem einheitlich sein; verwenden Sie bitte nicht verschiedene Zitationssysteme innerhalb eines Essays.
Sie können sich hierbei an folgendes Muster halten:
➤Vorname und Name des Autors, Titel (kursiv), Erscheinungsort und -jahr, Seitenangabe.
Wenn die anschließende Fußnote auf dasselbe Werk verweist:
➤Ebenda, Seitenangabe.
Wenn auf das Werk nicht in der vorhergehenden, aber bereits in einer vorhergehenden Fußnote verwiesen wurde:
➤Nachname des Autors, Kurztitel (kursiv), Seitenangabe.
Bei Artikeln aus Sammelbänden oder Zeitschriften:
➤Vorname und Name des Autors, Aufsatztitel (kursiv), in: Titel des Sammelbandes oder der Zeitschrift (kursiv), Name des Herausgebers (Hg.), Erscheinungsort und -jahr, Seite x-y, Seitenangabe.
Beim Nachweis von Internetquellen geben Sie neben der URL unbedingt das Zugriffsdatum an.
In der Literaturliste sollen alle Texte aufgeführt werden, auf die Sie sich in Ihrer Arbeit unmittelbar beziehen. Wenn Sie sich, was insbesondere am Studienbeginn oft vorkommt, nur auf einen Primärtext beziehen, dann enthält Ihre Literaturliste nur einen Titel. Sie sollten sie nicht künstlich aufbauschen; wenn Ihre Auseinandersetzung mit dem einen Text gut ist, stellt eine kurze Literaturliste keinen Mangel dar, wenn sie nicht gut ist, wird auch eine längere Literaturliste Ihre Arbeit nicht besser machen. Bitte beachten Sie, dass andere Dozentinnen und Dozenten andere respektive genauere Vorgaben zur Gestaltung machen können.

»Was ist ein Essay?«

Ein Essay ist, gut ausgeführt, eine sehr anspruchsvolle Synthese aus wissenschaftlichem Text, reflektierter persönlicher Stellungnahme und Poesie; schlecht ausgeführt verkommt er zum Geschwafel. Falls Sie sich für die literarische Form des Essays interessieren, möchte ich Ihnen hierzu Adornos Der Essay als Form (Theodor W. Adorno, Der Essay als Form, in: Gesammelte Schriften 11: Noten zur Literatur, Rolf Tiedemann (Hg.), Frankfurt am Main 1997, S. 9-33.) empfehlen. Aber niemand erwartet von Ihnen, dass Sie als Leistungsnachweis einen Essay schreiben. Das Wort Essay bezeichnet in den Prüfungsordnungen der Universität lediglich eine kürzere Variante der klassischen Hausarbeit. Diese sollte ein klares Thema und einen erkennbaren roten Faden haben. Bei der Behandlung des Themas sollte deutlich werden, dass Sie verstanden haben, worüber Sie schreiben, dass Sie mit den angegebenen Quellen vertraut sind und dass Sie sowohl in der Lage sind, einen theoretischen Gedankengang nachzuvollziehen, als auch, ihn in einer eigenständigen Argumentation schriftlich darzustellen und kritisch zu prüfen.

»Wie schreibe ich meinen Essay?«

Nachdem Sie Ihr Thema gefunden haben, überlegen Sie sich, wie Sie es darstellen möchten. Daraus ergibt sich dann eine Gliederung für Ihre Arbeit. Diese Gliederung soll Ihnen dabei helfen, im Schreibprozess Ihren roten Faden im Auge zu behalten. Sie kann sich im Laufe der Zeit einige Male ändern und muss nicht mit dem Inhaltsverzeichnis (falls Sie bei längeren Arbeiten eines anlegen möchten) identisch sein. In einem philosophischen Text ergibt sich die Gliederung in der Regel aus und mit dem Gang der Argumentation.

»Wie vermeide ich häufige Fehler?«

Ein philosophischer Text behandelt einen theoretischen Gegenstand. Hierfür ist die Erwähnung biografischer Daten verstorbener oder lebender Philosophen nur sehr bedingt erforderlich. Wenn Sie theoretische Ansätze verschiedener Philosophen zueinander in Beziehung setzen, ist es durchaus sinnvoll zu erwähnen, in welcher Reihenfolge sie lebten und ob sie wechselseitig ihre Schriften zur Kenntnis nahmen oder nehmen konnten. Wenn Sie über einen Vertreter der französischen Aufklärung schreiben kann es aufschlussreich sein, die damalige politische Situation zu erwähnen. Doch ohne Einbettung in den theoretischen Kontext Ihrer Arbeit ist eine Nacherzählung des Lebensweges der AutorInnen, auf die Sie sich beziehen möchten, fehl am Platz und zu unterlassen.

  • nicht von vorne nach hinten

Für jede wissenschaftliche Arbeit gilt: Die Einleitung wird zuletzt geschrieben. Vor dem Schreiben Ihrer Arbeit wissen Sie zwar, worüber Sie schreiben wollen – aber erst nach dem Schreiben Ihrer Arbeit wissen Sie sicher, worüber Sie geschrieben haben. Wenn Sie im Schreiben Ihrem Gegenstand folgen kann es nämlich passieren, dass er Sie nicht dorthin führt, wohin Sie ursprünglich dachten, dass er führen würde. In solchen Fällen ist es besser, nicht einer vorher verfassten Einleitung, sondern dem Gegenstand gerecht zu werden. Darum sollte die Einleitung immer zuletzt geschrieben oder als letztes überarbeitet werden. Auch für den Rest der Arbeit gilt, dass sie nicht der zufälligen Abfolge Ihrer Einfälle und Assoziationen, sondern der inneren Logik der Entwicklung des Gedankens folgen sollte. Darum ist es sinnvoll, die niedergeschriebenen Gedanken wiederholt darauf zu überprüfen, ob sie aufeinander aufbauen, um sie in eine entsprechende Reihenfolge zu bringen.

Der erste Versuch, einen komplexen Gedankengang in einem Satz schriftlich einzufangen, sprengt oft die Möglichkeiten der Grammatik – und zusammen mit der grammatischen Form gehen wiederum Zusammenhang und Stringenz des Gedankens verloren. Da Sie selber als Autorin oder Autor des Textes jedoch zumeist wissen, was Sie mit dem Geschriebenen ausdrücken wollten, kann es leicht passieren, dass Sie über unvollständige oder unsinnige Sätze hinweg lesen (das passiert auch Muttersprachlern mit Abitur). Hier hilft es, den Text sich selbst oder anderen laut vorzulesen. So fallen etwaige Grammatikfehler und allzu gewagte Gedankensprünge leichter auf als beim leisen Lesen des Textes.

  • Kommaregeln finden Sie vorne im Duden

 

»Welche Sekundärliteratur soll ich benutzen?«

Ersteinmal keine. Zu den klassischen Autoren der Philosophie gibt es regalmeterweise Sekundärliteratur, gute wie schlechte. Ob das von Ihnen vermutlich willkürlich gewählte Buch zum Thema tauglich oder untauglich ist, können Sie jedoch nur dann beurteilen, wenn Sie mit der Primärliteratur hinreichend vertraut sind. Darum gilt: wenn Sie über Hegel schreiben wollen, dann lesen Sie Hegel und wenn Sie über Aristoteles schreiben wollen, dann lesen Sie Aristoteles. Erst anschließend macht es Sinn, sich mit anderen Auslegungen/Interpretationen zu beschäftigen. Sekundärliteratur taugt darum nicht zur Einführung, sondern ist nur etwas für höhere Semester.

»Was tun bei Schreibblockaden?«

Putzen Sie nicht Ihre Fenster, übertragen Sie keine Telefonnummern vom Handy in den Kalender, loggen Sie sich aus dem Internet aus und vertun Sie Ihre Zeit nicht mit dem Lesen ellenlanger Motivationsratgeber über das Überwinden von Schreibblockaden. Letzten Endes hilft nur eines: Schreiben. Und das braucht Zeit. Damit meine ich weniger die Zeit, die technisch erforderlich ist, um Worte auf Papier zu bringen, sondern vielmehr die Zeit, die es braucht, um Gedanken zu entwickeln, die aufzuschreiben sich lohnt. Schreiben Sie sich den Titel Ihres Essays auf (der sich in vielen Fällen noch ändern wird), beginnen Sie mit einer Gliederung, schauen Sie Ihre Seminarmitschriften durch und sammeln Sie Stichpunkte, die für Ihr gewähltes Thema wichtig sind. Wenn Sie nicht weiter kommen, stecken Sie den Zettel ein und gehen Sie schwimmen, auf Partys oder worauf Sie sonst Lust haben und arbeiten Sie später weiter. Das ist zwar ebenso ineffektiv wie leeres Starren auf Papier oder Monitor, aber es fühlt sich besser an.

zum Schluss

Sie können mir Ihren fertigen Essay entweder per E-Mail zuschicken oder ihn an der Uni in mein Postfach werfen (vergessen Sie bitte nicht, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben, damit ich Sie kontaktieren kann). Wenn ich Ihren Essays erhalten habe, werde ich per E-Mail einen Termin zur Besprechung mit Ihnen vereinbaren. Ich bespreche grundsätzlich jede schriftliche Arbeit, weil Sie einer Note unmöglich ansehen können, wo genau Ihre Stärken und Ihre Schwächen liegen. Zu dieser Besprechung können Sie dann auch Ihren Laufzettel und gegebenenfalls den blauen Modulzettel mitbringen. Ich werde sie dann unterschreiben, die Note eintragen und letzteren über unser Sekretariat an das Akademische Prüfungsamt weiterleiten. Dort wird Ihre Note dann bei Stud.IP eingetragen. Dies kann einige Wochen dauern. Wenn Ihre Note zwei oder drei Monate nach Abgabe des Modulzettels immer noch nicht bei Stud.IP erscheint, sollten Sie bei Ihrem Sachbearbeiter/ Ihrer Sachbearbeiterin im Prüfungsamt nochmal nachfragen woran das liegt.
Weitere allgemeine Hinweise und Tips zum Schreiben von Hausarbeiten finden Sie auf diversen Internetplattformen, z.B. unter www.wissenschaftliches-arbeiten.org

Hinweise für das Schreiben von philosophischen Essays 

Die fünf Bewertungskriterien der Internationalen Philosophie-Olympiade

 Konzentration (Fokussierung) auf das Thema: Hauptaussage des Zitats beachten, alle Teilaussagen aus dem Zitat einbringen,  die Zentralbegriffe benennen, Erkennen des im Zitat angesprochenen Problembereichs

Kohärenz (innere Stimmigkeit) der Arbeit: Aufbaukonzept deutlich machen, durchgängige Untersuchungsabsicht benennen (was will ich in meinem Essay zeigen?),  Überschriften  und Gliederungen/Absätze  setzen, die die Schritte des Argumentationsganges deutlich machen

Argumentative Überzeugungskraft: Eigene Position beziehen und diese mit Argumenten belegen, nie nur Behauptungen setzen,  Prämissen/Ausgangspunkte und Folgerungen differenzieren, methodische Vorgangsweise deutlich machen

Philosophisches Verständnis des Themas (nicht unbedingt fachwissenschaftliche Breite): Einbetten des Zitats in einen epochalen Kontext, Erkennen des eigenen Argumentations- oder Theorie-Typs (z. B. idealistische vs. materialistische Ansicht), Bezug zu typischen Argumenten von bekannten Philosophen, angemessener Umgang mit Begriffen mit entsprechender Defintion, Vertiefung und Hinterfragung  der angesprochenen Aspekte, Verwenden von philosophischen Methoden, Reflexionsgrad

Originalität: Anspruchsvolle Stilformen anwenden (Briefe, Dialoge, Gedankenexperimente), originelle Positionen vertreten, geistreich schreiben, gewählte und ansprechende Sprache verwenden.

 Wie schreibe ich einen guten Essay?

Konzipieren, Komponieren, Korrigieren

  • I. Konzipieren: Einleitung, Hauptteil, Konklusion

    • 1. Einleitung

      • Was ist die Zentralthese des gewählten Zitats?

        • Prägnante ev. provokante/unalltägliche These des Autors  erkennen

        • Was ist im Zitat insgesamt ausgesagt? -> Auflisten der zentr. Titelelemente

        • Kurzbezug auf Autor und Epoche:  Wer?

      • Was ist die Frage, die ich beantworten will?

        • Bin ich mit der Zentralthese des Zitats einverstanden oder nicht/teilweise?

        • Was will ich zeigen? Wie werde ich dabei vorgehen?

        • Weshalb ist diese Frage wichtig - für mich? - insgesamt? Welche wichtige Botschaft kann ich bei der Beschäftigung mit diesem Zitat vermitteln?

      • Ev. Titel für den Essay finden!

    • 2. Hauptteil

      • Was sind meine Argumente für das, was ich zeigen will?

      • A) Zerlegen der zentralen These/Frage in Teilfragen  und -Aspekte

      • B) Einbringen von Prämissen

        • Welche Prämissen für meine Argumentation führe ich ein? Was in meinem Argument ist wahr? Wie kann ich das beweisen? Was kann man gegen das Argument einwenden? Weshalb sind die Einwände nicht stichhaltig?

      • C)Verschiedene methodische Vorgangsweisen klarlegen:  Z.B.

        • Klären von Grundbegriffen aus dem Zitat: = Methode der Begriffsanalyse

        • Historische Einordnung des Autors: früher hat man so wie der Autor gedacht, heute sieht man es anders: =  historisch-hermeneutische Methode

        • Darlegen von persönlichen Erfahrungen = phänomenologische Methode

        • Konstruieren der gegenteiligen Position und Widerlegung: = dialektische Methode

        • Entwicklung von Denkmöglichkeiten und Gedankenexperimenten = konstruktivistische Methode

      • D) Einbau der eigenen Argumentation in einen weiteren Problemkontext

        • - Den systematischen Bereich bzw. das Problemfeld skizzieren, in den das behandelte Zitat/Problem hineingehört

        • – Bezugnahme auf bekannte  Philosophen und Ismen in Vergleich und Abgrenzung

    • 3. Schluss

      • Was habe ich gezeigt?

      • Rückbezug auf Zitat oder Eingangsthese

      • Ev. Umformulierung des Ausgangszitats

      • Was ist (noch) nicht gezeigt?

      • Konsequenz/Lehre aus den eigenen Ausführungen in Form einer Schluss-These

  • II. Komponieren: Klar und überzeugend!

    • 1. Klar!

      • Gliedern – jeder Gedankenschritt sollte in einem Absatz dargestellt werden.

      • Begriffe, die unklar sind oder deren Verständnis nicht vorausgesetzt werden kann, vermeiden oder sofort erläutern! („Jemand handelt freiwillig, wenn...“)

      • Mit Beispielen arbeiten! („Ein Beispiel für eine freie Handlung ist...“)

      • Sprachlich anregend und reich formulieren, aber Metaphern und Substantivierungen nicht überstrapazieren! (Z.B.: „Die Freiheit blüht auf.“)

      • Anführungszeichen nur brauchen, um über ein Wort zu reden oder um zu zitieren!

      • Nur dann zitieren, wenn es unumgänglich und das Zitat genau bekannt ist!

    • 2. Überzeugend!

      • Alle Thesen mit guten Argumenten begründen! („Der Mensch ist frei, weil...“)

      • Die Argumentation strukturiert, zusammenhängend und widerspruchsfrei gestalten, Prämissen und Konklusion differenzieren!

      • Autoritätsargumente nicht überstrapazieren (Nicht: „Wie Aristoteles bereits sagte...“), aber reichlich Bezüge herstellen - soweit bekannt!

      • Glaubwürdigkeitsappelle vermeiden! (Nicht: „Es ist klar, dass...“, „Jeder wird zugeben, dass...“)

    • 3. Philosophisch, d.h. hinterfragend, grundsätzlich, fächerübergreifend, grenzensprengend

    • 4. Stilistisch originell!

  • III. Korrigieren

    • Den geschriebenen Essay lesen und auf die einleitende Untersuchungsabsicht hin überprüfen: Habe ich das rübergebracht, was ich mit dem Essay sagen wollte?

    • Wenn nötig korrigieren und verbessern!!!

    • Während des Formulierens soll man den Schreibfluss nicht unterbrechen. Im abschließenden Kontroll-Lesen gibt man dem Essay die gewünschte Form: Absätze und Überschriften setzen, Proportionen der einzelnen Absätze beachten, einzelne Argumente zuspitzen und verbessern, nachträglich Beispiele für Thesen einfügen, Bezüge zu bekannten Philosophie einbauen. Und auch auf die sprachliche Qualität  achten (Rechtschreibung, Grammatik, Syntax/Satzbau, Wortwahl und –Differenzierung) – die Deutsch-Professoren lassen grüßen!!!

Hinweise für das Schreiben von philosophischen Essays (s. Engels)

  • Was ist ein philosophischer im Unterschied zu einem literarischen Essay?

    • Man kann die Textsorte, um die es hier geht, als „Essay" bezeichnen, da es keineswegs darauf ankommt, lediglich sichere Erkenntnisse wiederzugeben oder hieb- und stichfeste Antworten auf die sich stellenden Fragen zu geben: s. it. Saggio/assaggiare: Kostprobe des eigenen Denkens geben.

    • Ein Essay ist eine subjektive Schreibform, die auffordert,  persönliche Standpunkte vorzugeben, Vermutungen anzustellen und Gedankenexperimente durzuführen. Formulierungen wie „vielleicht", „möglicherweise", „möglich wäre" und „man könnte einwenden/daraufhinweisen/sich vorstellen" können durchaus benutzt werden. Im Extremfall könnte ein Essay nur aus Fragen bestehen (sinnvolle Fragen zu stellen, ist oft schwerer, als vorgegebene Fragen zu beantworten).

    • Die Ergebnisse des eigenen  Nachdenkens können auch in Form einer Kurzgeschichte, einer Fabel, einer Parabel, eines Briefes an den Autor, eines Lese-Tagebuches als Festhalten von aufgestoßenen Gedanken während der Lektüre,  eines Gedankenexperiments oder als „Philosophy-Fiction" dargestellt werden.

    • Bei philosophischen Essays ist es (im Unterschied zu den literarischen) auch möglich, Untertitel zu geben, alle Gedankenschritte genau zu strukturieren bzw. zu nummerieren (Wittgenstein z. B. hat in seinem Tractatus logico-philosophicus jeden einzelnen Satz durchnummeriert: 1  1.1  1.11  usw. )

    • Es ist auch der Einbau von Skizzen, Modellen usw. möglich. Wichtig ist v.a. auch, dem Essay einen aussagekräftigen Titel zu geben.

  • Wie kann man  philosophisch schreiben?

    • Das, was Ihr schreibt, sollte philosophische Züge haben. Das heißt: Ihr sollt einen eigenen Standpunkt vortragen, dabei aber auch argumentieren. Ihr sollt Euch nicht in Konkretes verlieren, sondern Euch auf der Ebene des Grundsätzlichen bewegen. (Konkretisierende Beispiele für Allgemeines sind allerdings erwünscht.)
    • Falls Ihr nicht wissen solltet, ob Eure Gedanken philosophisch genug sind, muss Euch das nicht allzu sehr bekümmern. - Oft wird es sinnvoll sein, Begriffe zu bestimmen. Hier gibt es nicht nur die Möglichkeit der Definition; oft genügt es, charakteristische Merkmale des Begriffs zu nennen, die für das Thema wichtig sind. Weiters wird man auf die Gegenposition zum Zitat verweisen und die beiden Positionen gegeneinander abwägen.
  • Insgesamt kann man 5 Kriterien für philosophisches Schreiben benennen:
    • Erstens: Bezug auf den gesamten Lebenszusammenhang
      • Das ausgewählte Zitat sollte daraufhin befragt werden, ob daraus für den Menschen im Allgemeinen etwas Gutes oder Schlechtes resultiert. Man könnte dies auch anders formulieren: Welchen Sinn und welchen Wert hat das in den Blick Genommene im Lebenszusammenhang? Ausgang des Nachdenkens kann etwas recht Konkretes sein; das Nachdenken muss aber über das Konkrete hinausgehen und einen allgemeinen Maßstab anwenden, beispielsweise allgemeine Wert- und Sinnvorstellungen.
      • o        Hierzu gehören auch ethische, rechtliche und politische Überlegungen. Der weiteste Horizont, in den Beschriebenes gestellt werden könnte, wäre die Frage nach dem gutem, dem erfüllten, dem wirklich menschlichen Leben.
    • Zweitens: Fächerübergreifende Fülle von Gesichtspunkten
      • Philosophisch wird ein Essay durch die Fülle von Gesichtspunkten, die an die darzustellende Sache herangetragen werden. Typisch für die Philosophie ist doch das Sprengen enger Grenzen, seien sie durch die philosophischen Disziplinen oder durch die Einzelwissenschaften gezogen.
      • Im Blick bleibt hierbei aber immer die Bedeutung des Dargestellten für den Menschen im Allgemeinen.
    • Drittens: Ausgang von philosophischen Positionen
      • Ein Essay ist dann genuin philosophisch, wenn ich bei meinen Überlegungen von einer schon gegebenen philosophischen Position ausgehe und versuche, ein konkretes Problem zu lösen oder ein Phänomen in den Griff zu bekommen.
      • So kann ich mich auf den Standpunkt der kantischen Ethik stellen und von ihr aus Probleme angehen, die sich erst in unserer Zeit offenbar werden, man denke an die Gentherapie, die in die Keimbahn eingreift., an das Klonen von Menschen oder an embryonale Ersatzteillager.
      • Essays bieten sich hier an, da sich von Kant oder anderen Philosophen her nur Versuche zu einer Problemlösung anbieten, ein Hin- und Herwenden von Gedanken, ein Einbringen von Vorschlägen und Bedenken, jedenfalls kaum eine eindeutige Lösung.
      • Auch der Utilitarismus kommt in vielen Fällen nicht zu eindeutigen Ergebnissen, wenn es sich um Fragen handelt, die sich erst aufgrund neuer technischer Möglichkeiten stellen. Hier sind nur Versuche, eben Essays möglich.
    • Viertens: Ausgang von philosophischen Zitaten
      • Das Zitat lässt gewöhnlich erkennen, welcher philosophischen Disziplin es entstammt und welche philosophischen Disziplinen für die Erörterung relevant sind.
      • Allerdings muss sich der Schreibende auf den Inhalt - auf Aussage, Frage oder Problem -einlassen und darf sich nicht nur biographischen, geschichtlichen, philosophiegeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen oder ästhetischen Aspekten zuwenden.
      • Die Frage nach Wahrheit und Gültigkeit des zu Erörternden und der Beurteilung ist unerlässlich.
      • Das Zitat soll nicht nur interpretiert und variiert/paraphrasiert werden, sondern es dient als Vorlage zur Konstruktion einer eigenen persönlichen Denk-Position, deshalb soll daran Kritik, Ergänzung, Korrektur, Weiterdenken, Umformulierung usw. geübt werden.
    • Fünftens und letztens: Benutzung genuin philosophischer Methoden
      • etwa der phänomenologischen,

      • der sprachanalytischen,

      • der hermeneutischen Methode oder

      • der  Methode der kritischen Theorie.

         

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